Expo Real 2010 – doha, moskau, frankfurt, paris – kontraste/contrasts

 



Aktuelle Architektur- und Städtebauprojekte
Kontraste – Expo real 2010 – Doha, Moskau, Frankfurt, Paris

von Johann A.G. Baloghy – 23.11.2010


Zwischen 4.-6. Oktober 2010, fand auf der Neue Messe in München die 14. Internationale Fachmesse für Gewerbeimmobilien und Investitionen statt. Der Aufschwung in der Branche und vor allem die Kontraste zwischen den präsentierten Architektur- und Städtebauprojekte prägten die Eindrücke auf der Messe. Neue Chancen für die gute, nachhaltige, kulturell rücksichtsvolle dennoch emanzipierte, moderne, bezahlbare ökologisch verträgliche Architektur und Städtebau werden signalisiert. Artis Diversis berichtet über aktuelle Erkenntnisse und Projekte aus Doha, Moskau, Frankfurt und Paris.

Expo Real 2008 München – Rückblick.

 
exporeal 2010



Doha – Das Projekt Musheireb
Premiere, das erste traditionsfortschreibende und innovative Stadterneuerungsprojekt in Katar – von Johann A.G. Baloghy – 23.11.2010


Die Leitvision von Frau des Emirs von Katar – Ihrer Hoheit Sheikha Mozah Bint Nasser Al-Missned folgend, entwickelt Dohaland, die Tochterunternehmen der Qatar Foundation for Education, Science and Community Development, seit Anfang 2009, das Projekt Musheireb auf dem 35 Hektar Areal des alten Handelszentrums in der Hauptstadt von Katar, Doha.

Die Vision, die kulturelle und religiöse Tradition unter Berücksichtigung des Bedarfs und der Bevölkerungswünsche in einem modernen Städtebau und in eine funktionelle und moderne Architektur im katarisch historischen Kontext umzusetzen, ist schon bereits begonnen worden und soll bis 2016 in fünf Bauabschnitten fertiggestellt werden. In den nächsten sechs Jahren investiert Dohaland Euro 4,18 Milliarden in das Projekt Musheireb.

QF RADIO – Mit freundlicher Genehmigung der Qatar Foundation.

 

Fußgängerstraße mit Wasserflächen, Mikroklima regulierend. Quelle: Dohaland

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Die Ecke zwischen den Al Diwan und Musheireb Straßen. Foto: Artis Diversis

Dieses Projekt ist eine Weltpremiere, sowohl aus der Sicht der angewandten Entwicklungs- und Planungsmethodologie als universelles, wissenschaftliches Arbeitsinstrument, als auch aus der Sicht der zu erwartenden Ergebnisse einer nachhaltigen, kulturell und religiös rücksichtsvollen, identitätsbewussten, modernen, bezahlbaren und ökologisch verträglichen, Stadterneuerung.

Das interdisziplinäre Projektteam wurde 2008 etabliert, bestehend aus den federführenden Vizepräsidenten des Qatar Foundation Capital Projects, Herr Saad Al Mohannadi, Herr Ing. Issa M. Al Mohannadi CEO von Dohaland, Dohaland-Team bzw. unzähligen hochrangigen inländisch und international tätigen Universitätsprofessoren, Gutachter, Experten, Beratern diversen Ressorts, renommierten Architektur-, Ingenieur-, Projektsteuerungsbüros, etc.

Drei jahrelang mit höchstem Einsatz und Engagement arbeiteten Hand in Hand die Spezialisten zusammen, um aus einer Idee und Vision die Konkretisierung und den Realisierungsstart des Projektes auszulösen. Das Projekt Musheireb ist fester Bestandteil der nationalen Zielsetzung, bis 2030, Qatar in einen hochentwickelten fortschrittlichen Staat umzuwandeln, der in der Lage sein wird über zukünftigen Generationen hinaus die eigene Entwicklungen selbst und nachhaltig bei einem gesicherten hohen Lebensstandard tragen zu können.


Nachhaltiger Wachstumsmodel. Quelle: A blueprint for the future by Dohaland

Katar gilt nach IMF (International Monetary Fund) als Land mit der am schnellsten wachsenden Wirschaft in der Welt. Musheireb wurde nicht isoliert betrachtet. Die Systemgrenzen der dynamischen und nachhaltigen Wachstums- und Entwicklungsanalyse reichen über den gesamten Bucht von Doha hinaus.

Am Entwicklungsstandort, zwischen den angrenzenden Haupterschließungsadern wie Al Rayyan Road im Norden, Jassim Bin Mohamed Street im Osten, Musheireb Street im Süden und Al Diwan Street (Teil der Ring Road A) im Westen, wurden die inneren historisch gewachsenen Erschließungsachsen weitgehend beibehalten.


Die innere Erschließung. Quelle: A blueprint for the future by Dohaland

Durch die dominierende Nord-Südausrichtung, trägt die innere Erschließung der natürlichen Durchlüftung und durch die abwechselnde Schattenbildung der Kühlung der Straßen bei. Die traditionelle Schattenbildung durch Arkaden, Erkern, und auskragenden Vordächern, Dachpergolas, wird in einer neuen Architektursprache umgesetzt. Diese sind in den Ost-West orientierten Straßen besonders wichtig.

Zwischen den Achsen der inneren Erschließung besitzen die Bebauungsblöcke weiteren engeren hierarchisch gegliederten Wegenetze “sikkat” die zu den kleineren “darb” und größeren öffentlichen Plätzen “squares” führen. Diese sind hierarchisch in der Größe und Lage platziert und werden teilweise schattenspendend überdacht.


“Sikkat”, “Darb” und “Squares”. Quelle: A blueprint for the future by Dohaland

Die zusammenhängende Anordnung von öffentlichen Bauten motiviert die Bereitschaft der Bevölkerung fußläufig alles erreichen zu wollen, wodurch die Attraktivität der inneren Erschließung und Wegenetze noch weiter gesteigert wird. Das löst den Effekt der gewünschten sozialen Zusammenhalt aus, wie es in den alten Strukturen auch der Fall war und trägt der urbanen Vitalität in Verbindung mit dem sinnvoll platzierten und ausgewogenen Nutzungsmix, bei.


Die Hauptnutzungen. Quelle: A blueprint for the future by Dohaland

 
Dazu zählen unter anderem die Wohn- und Gewerbeimmobillien, Gastronomie, Freizeitangebote, Einzelhandel, soziale Einrichtungen, Kultur und Unterhaltung, Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Moscheen und ein Rathaus. Im Nordosten Teil des Areals ist der Standort für das National Archive Museum vorgesehen. Mehr als 100 Gebäude zwischen drei und dreißig Geschosse in der Kombination werden in Musheireb errichtet. Im ersten Bauabschnitt entstehen drei Regierungsbauten, Kulturbauten mit einem Kulturforum und ein Bereich des Eid-Gebetes. Es folgen danach ein 5-Sterne Hotel, Bürobauten und diverse Geschäfte, Läden und Restaurants.

Die unterstützende und unterirdische Infrastruktur, für die Ver- und Entsorgung, Lieferungen aller Art, Tiefgaragen, Medientechnik, Kommunikation, öffentlicher Nahverkehr mit Halltestellen der Metrostationen, Tunnels, unterirdische Straßennetze, etc., folgt die Generatoren des oberirdischen Erschließungsnetzes. Diese getrennte Systemebenen fördern die verkehrsberuhigte und hauptsächlich für die Fußgänger ausgerichtete Stadterneuerung.

Die Architektur nimmt auf die lokalen, historischen und insbesondere auf die funktionelle Sprachelemente der Vergangenheit aber auch Zukunft Rücksicht. Hier spielen vielerlei Einflussfaktoren eine wichtige Rolle in der Auslegung der Baumassengliederung, Proportion, Raumanordnung, Fassaden-, Farbgestaltung, Details, Ornamentik und Dekoration. Am wichtigsten davon sind allerdings die klimatischen Einflussfaktoren auf die Schaffung der Innen- und Stadtraumbehaglichkeit.

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Die Fusion: Alt und Neu. Quelle: A blueprint for the future by Dohaland

Die Zonierung der Wohnbauten von öffentlichen bis zum privaten Bereich, bzw. das Vorsehen von halbprivaten Innenhöfen, führen zu der besonderen Formfindung und Architekturästhetik der Wohnbauten in Musheireb.

Mit waagerechten und senkrechten Lamellenstrukturen, variierenden hochformatigen tief in den Lochfassaden eingebauten Fenster, wird die Klimaregulierung ohne Emissionen beeinflusst. Fast die gesamte Bebauung ist mit Flachdacharchitektur vorgesehen. Somit können Solarkollektoren für Stromerzeugung optimal integriert werden.

Aus den fünf wesentlichen Merkmale des Musheireb Projektes wie Tradition und Kultur, Innovation, Bereicherung und Umwelt spielt die Nachhaltigkeit eine außerordentlich wichtige Rolle. Mit den aktuellen Standards und Einsatz von Zukunftstechnologien wird man die deutliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes erreichen und eine nachhaltige Abfallentsorgung betreiben können. Ebenso ist es vorgesehen energieeffiziente und umweltfreundliche Kühlanlagen zu betreiben. Alle Bauwerke in Musheireb sollen die Anforderungen des Average LEEDtm (Leadership in Energy and Environmental Design) erfüllen und mit dem Goldzertifikat ausgezeichnet werden.

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Die Beschattung der Innenhöfe. Quelle: A blueprint for the future by Dohaland

Im Interview mit Herrn John Rose, Direktor der Entwicklung des Projektes Musheireb, habe ich Ihn gefragt:

Herr Rose, wie lauten die Akzeptanzsignale bei der Bevölkerung von Doha im Hinblick auf diese rasante Entwicklung des Projektes Musheireb?

Rose: Die Bevölkerung ist über das Projekt sehr detailliert informiert worden. Die Akzeptanz wird tagtäglich bestätigt und mit hoher Begeisterung signalisiert.

Baloghy: Wer sind die voraussichtliche Nutzer-Zielgruppen die Sie mit dem Projekt ansprechen? Die einheimische Bevölkerung, ausländische Investoren, Touristen, Arbeitnehmer, etc.? Sind die Bauten im Inneren auch für fremden Wohnkulturen geeignet?

Rose: Jeder Nutzer ist in Doha neben der einheimischen Bevölkerung willkommen, ob Australier, Asiat, Europäer oder Amerikaner alle können hier Wohnungen kaufen und Büroflächen mieten. Das Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung funktioniert tadellos, wenn natürlich bestimmte lokale Verhaltensregeln, wie überall, respektiert und eingehalten werden. Die Gebäude sind im Inneren für Flexibilität ausgerichtet. Es lassen sich Sonderwünsche einplanen und realisieren.

Baloghy: Herr Rose, vielen Dank.

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Das Modell des Musheireb Projektes. Foto: Artis Diversis


Einige Werte aus der Kennzahlensystematik:

Projekt-Einzugsgebiet 35 Hektar
Wirtschaft und Regierung 280.000 qm,
Einzelhandel 94.000 qm,
Hotel 117.000 qm,
Wohnanlagen 222.000 qm,
Gemeinwesen, Kultur, Schule, Moschee, Museum 47.000qm,
GESAMT BGF 760.000 qm.

Insgesamt sollen mehr als 100 Gebäude errichtet werden, ca. 900 Wohneinheiten und ca. 11.000 Stellplätze entstehen.
Das Projektbudget beträgt Euro 4,18 Milliarden.

Quellen:
A blueprint for the future by Dohaland
Die Presse Mappe – Dohaland




Moskau – Geschäfts- u. Wohnhaus im Zentrum, Wohnquartier im Nordost Distrikt
Immobilienkonzern Inteco baut mit Star Architekten Hadi Teherani und Ricardo Bofill – von Johann A.G. Baloghy – 23.11.2010


Der Immobilien Konzern INTECO CJSC ist einer der bedeutendsten Projektentwicklungsgesellschaften und Investoren in Russland. Die Unternehmensgruppe, hat sich durch ihre Mission zum Ziel gesetzt unter dem Aspekt der ökologisch verträglichen Nachhaltigkeit und Anwendung von modernsten Technologien, die Steigerung der Lebensqualität der bebauten Umwelt in den bestehenden und neuen städtischen Strukturen Russlands zu erwirken. Eine lobenswerte und mannigfaltige Zielsetzung, die den soliden Einsatz kollektiver Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie, Wirtschaft, Finanzen und nicht zuletzt mit der Bevölkerung und Gesellschaft verlangt.
Durch namhafte und längst etablierte erfahrene internationale Kooperationspartner, stärkt sich das Unternehmen in diesem Einsatz. Das deutsche Architekturbüro BRT Architekten, Bothe Richter Teherani aus Hamburg und das Büro Ricardo Bofill Taler de Arquitectura aus Barcelona sind nur zwei Beispiele dafür.

 
Einladender INTECO-Messestand, Arch. H.Teherani. Foto: Artis Diversis

RADIO ALLA MOSKAU – Vollksmusik aus Russland
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Architekten R. Bofill und H. Teherani. Foto: hofherr communikation

Der spanischer Architekt Ricardo Bofill gründete 1963 sein Architekturwerkstatt in Barcelona und danach weitere Büros in Paris und New York. Er gilt als renommierter Stadtplaner der moderne Neuzeit. Als Architekt und Designer hat er die große Vorliebe für Sprachelemente aus der klassischen Architektur in Kombination mit verschiedenen spät-folgenden Stilen. Die Formen und die Materialkombination seiner Bauwerke deuten auf die Postmoderne Architektur hin. Mit seinem interdisziplinären Team und Partner Peter Hodgkinson ist er im Besitz von zahlreichen Auszeichnungen und weltweit erfolgreich tätig.

Der deutsche Architekt iranischer Herkunft Hadi Teherani gründete mit seinen Kollegen 1991 das BRT Architekten Büro in Hamburg. Diverse Lehraufträge an verschiedenen deutschen Hochschulen, zahlreiche deutsche und internationale Auszeichnungen für die besondere Architektursprache im Gewerbebau, mit viel Glas, Hightech und modernste Medientechnik, Funktionalität und Sensibilität für die Nutzer, exzellentes Innenraum- und Produktdesign und schließlich viel Affinität für die städtebauliche Integration seiner Bauwerke, bereichern den Werdegang, Profil und Stil der BRT Gruppe.

S_park, Geschäfts- u. Wohnhaus, Arch. H. Teherani. Foto: Artis Diversis

Der Standort des Geschäfts- und Wohnhauses S_park ist im historischen Stadtbereich des Zentrums von Moskau am Nordufer des Vodootwodnij Kanals.

Die Architektur des Objektes, nimmt Rücksicht in seine moderne Weise auf die umliegende Bebauung durch die Höhen- bzw. Baumassengliederung und die horizontale Sockelbildung bzw. Fassadengliederung nach den dominierenden Generatoren aus der Nachbarbebauung-Fassaden. Die Transparenz des Gebäudes trägt der weichen Integration im Standort bei und gleichzeitig ermöglicht wichtige Sichtachsenbezüge zu den historischen Bauten aus dem Umfeld.

Quelle: Inteco

Die gesamte BGF des Objektes beträgt über 40.000 qm verteilt auf 9 Stockwerken. Beim maximal ausgenutzten Baurecht, versuchen die Planer die Balance zwischen der Baukörpertiefe und dem natürlichen Lichteinfall durch abwechselnde Ausrichtung des zentralen Riegels über mehrere Geschosse zu halten. Die daraus sich bildende vier Lichthöfe in variable Größe, tragen auch der Klimaregulierung des Gebäudekomplexes bei.

Das Ergebnis ist ein intelligent ausgekerbter Parallelipiped, der im Innenbereich kleinteilige, alternierende mit Glas überdachte Atrien “atrium testudinatum” bildet, dynamische Licht- und Schatten-Szenario auslöst bzw. durch die Dachbegrünung ein attraktives Büroarbeitsplatz- und Wohnumfeld generiert. Die Kompensation des Lichteinfalls in die Lichtschächte erfolgt bis zum Erdgeschoss durch die gesamte Glas-Außenfassade der Gebäudes.

Quelle: Inteco

Die Gebäudestruktur erlaubt nach dem dual Prinzip vom Habraken: “Supports und Infill Structures”, ein hohes Maß an Flexibilität sowohl für den künftigen Nutzungsmix als auch für die individuelle bedarfsorientierte Grundrissgestaltung und Raumbildung. Tragend sind nur die Stützen und die vertikale Erschließungskerne.

Einladend wirken die zwei entgegengesetzten Portale zum Foyer und Lounge im Erdgeschoss. In drei Untergeschossen, mit zwei Außenrampen erschlossen, sind die Tiefgaragen einschließlich diverse Technik- und Lagerräume untergebracht.

Als nachhaltige Architektur, nach den Prinzipien des internationalen BREEAM (BRE Environmental Assessment Method), wurde das Gebäude konzipiert und entwickelt. Zitat aus der BREEAM Internetseite: “BREEAM ist die führende und am weitesten verbreiteste Zertifizierungsmethode für Gebäude. Es legt höchstmögliche Standards fest, für ein bestmögliches, nachhaltiges Design und wurde de facto zum Gradmesser für die Beschreibung des Umwelteinflusses eines Gebäudes.” Erstmal werden betonkernaktivierte unterzugslose Deckensysteme in einem Objekt dieser Art in Russland eingesetzt. Die Materialauswahl für innen und außen wie Beton, Glas, Holz tragen der Nachhaltigkeit des Bauwerkes bei.

 
Nach den Angaben des BRT Architekturbüros, werden noch vor Weihnachten die Genehmigungsanträge und -pläne in Moskau eingereicht. Man rechnet voraussichtlich mit ca. 5 Monate Bearbeitungszeit, dank der in den Vorplanungsphasen, seit 2006, rechtzeitig erfolgten Klärungen und Miteinbeziehung der Träger öffentlicher Belange.

Aus dem Interview mit Herrn Hadi Teherani, möchte ich hier, vielleicht die für uns Planer die zwei wichtigsten Fragen und Antworten, wiedergeben:

Baloghy: Herr Teherani, wie sehen Sie in Ihrer Planung die bezahlbare Flexibilität der Grundrisse z.B. im Wohnungsbau vor und wie gehen Sie damit in den späteren Planungsphasen und Realisierung um?

Teherani: Für mich ist es wichtig zuerst die Wahl der Größe von Grundeinheiten als Module in jeder Nutzungsart. Wenn es um Wohnungen geht, fange ich mit Einheiten von ca. 70 qm an, die sowohl teilbar z.B in zwei Zweizimmer-Wohnungen, als auch erweiterbar in die nächste teilbare Module, sind. Mit Stützen-Spannweiten von z.B. 6,5o m lassen sich normale Deckensysteme anwenden, wodurch die Kosten nicht explodieren. Die feste Punkte sind natürlich die Versorgungsschächte und die Erschließungskerne. Dazwischen lassen sich individuelle Raumeinteilungen realisieren.

Baloghy: Wenn es sich um größeren städtebaulichen Projekte handelt, wo fangen Sie an? Um den Nutzern rundherum die Nutzungen als Zwiebelschallen anzuordnen, bzw. danach die urbane Strukturen zu entwickeln oder umgekehrt?

Teherani: Das ist normal so anzufangen. Für mich ist in erste Linie der Nutzer wichtig. Wir bauen für die Menschen. Der Maststab aller Dinge ist der Mensch und die Architektur schafft Räume für die Menschen. Die so entwickelte Bauformen werden danach der jeweiligen städtebaulichen Gegebenheit angepasst.

Baloghy: Herr Teherani, vielen Dank.

Interview, J.A.G. Baloghy / H. Teherani. Foto: N. Evgeny

Deutlich wird der Mission-Erfüllungsversuch des Inteco Konzerns, siehe Einführung, wenn man die Planung der Ateliers für Architektur R. Bofill, für das Wohnquartier im Nordost Distrikt von Moskau, sich näher ansieht. An einem nicht unproblematischen Standort zwischen nach der Ost-Postmoderne gebauten sozialistischen Wohnkomplexen im Norden und Gewerbegebiet im Süden, soll ein neues Wohngebiet auf ca. 73,0 Hektar, mit ca. 930.000 qm BGF einschließlich Infrastruktur, bis 2021 entstehen.

Es werden ca. 11.600 Wohneinheiten mit ca. 11.850 Parkplätzen und eine umfassende Infrastruktur mit Kindergarten, Schulen, Krankenhäusern, Bürobauten, Nahversorgung, etc., vorgesehen. Öffentliche Flächen und Parkplätze, mit klarer Trennung der Fußgänger- bzw. Fahrradwege vom Autoverkehr, zentrale Sportflächen und schließlich sehr viel Grünflächen für die Naherholung, sind Bestandteil des Bebauungskonzeptes. Lediglich die Kirchenbauten waren nicht zu erkennen.

Die Wohnbauten sollen industrialisiert und effizient als “low cost” Bauten realisiert werden so, dass keine Qualitätseinbusse entstehen. Durch den hohen Vorfertigungsgrad und durch die hohe Repetabilität bzw. Reproduktibilität von Bauteilen erscheint diese Zielsetzung als plausible. Die Wohneinheiten, dank den um den Erschließungskernen adäquat bemessenen Stützenspannweiten, sollen nicht nur flexibel sein, sondern auch die kulturelle Aspekte in der Grundrissmorphologie, berücksichtigen können.

NO-Distrikt Wohnquartier (Ausschnitt), Arch. R. Bofill. Foto: Artis Diversis

Die städtebauliche Planung basiert auf das Ordnungsprinzip der West-Postmoderne mit klarem Achsialitätsbezug und Gestaltungselemente aus der Barockstadt mit Objekt-Richtpunkte und Barockhöfe in den Subquartiers. Die geometrischen Richtpunkte sind die Ost- und Westende der Haupterschließungsachse, die auch als zentrale und lange Promenade tangiert. Sowohl die Baukörpergestaltung als auch die Drehung einiger Türme mit 45 Grad, führen zu einer Brechung der Monotonie und verleihen den Vorteil der besseren natürlichen Belichtung und Ausblick in die Ferne.

Insgesamt entsteht eine transparente aufgelockerte Mehrfamilienhaus-Siedlung mit wahrnehmbarer Dichte, die gegenüber von den nach dem sozialistischem Leitbild entstandenen Mehrfamilienhäusern im Norden, Flagge zeigt. Trotz erkennbarer Tendenzen einer nach mit Maß gehaltener Musealisierung in der Architektur von R. Bofill, könnte es hier eine Siedlungsform der Gegenwart (nach Sieverts, Zwischenstadt, 1997, S. 140f.) entstehen.

Es wird spannend werden, die Harmonisierung der Gegensätze zwischen der Postmoderne und Moderne, das heißt das Kombinieren von keinem direkten Historismus mit dem Rationalismus bzw. der Funktionalität, zu erleben. Vielleicht, gerade das wird dieses Projekt vom R. Bofill, noch besonders auszeichnen.

Projektleiterin D. Dridze erläutert das R. Bofill Projekt. Foto: N. Evgeny
Quellen: Die Presse Mappe – Inteco

L inks:
Projekte in Doha:

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Inteco
BRT Rus
BRT Architekten
Bothe Richter Teherani

Haditeherani
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